Warum jeder Neubau eine Fußbodenheizung haben sollte

Ein Eigenheim ist schon lange der Traum vieler Menschen, die sich etwas Eigenes aufbauen wollen. Es steht für Glück, Familie und selbstbestimmte Freiheit. Und ich muss gestehen: Ich teile diesen Traum!

Jedes Jahr werden deshalb tausende Ein- und Mehrfamilienhäuser neu gebaut. In meinem Bekanntenkreis habe ich dabei schon oft erlebt, dass eine Gasheizung zusammen mit den altbekannten Heizkörpern (=Blechkisten, typischerweise unter Fensterbänken) eingebaut wurde.

Ich kann die Entscheidung auch zum Teil verstehen, da diese Kombination oft mit den kleinsten Anschaffungskosten verbunden ist. Dennoch würde ich davon abraten, da das in meinen Augen nicht zukunftsfähig ist.

Stattdessen würde ich zu einer Wärmepumpe zusammen mit einer Fußbodenheizung greifen. Falls für Sie eine Wärmepumpe unter keinen Umständen in Frage kommt: Nehmen Sie wenigstens die Fußbodenheizung. Warum ich das so sehe, möchte ich Ihnen jetzt gerne erklären.

Wärmepumpen sind die Zukunft

Warum ich Wärmepumpen für ziemlich großartige Maschinen halte, ist schnell erklärt: In einem Kubikmeter Erdgas stecken ungefähr 10 Kilowattstunden (kWh) chemischer Energie. Wenn ich dieses Gas nun verbrenne, bekomme ich daraus maximal 10 kWh Wärmeenergie heraus. Dasselbe gilt, wenn ich einen elektrischen Heizstab (=Wasserkocher) benutze. Dann erhalte ich aus 10 kWh elektrischer Energie auch maximal 10 kWh Wärmeenergie.

Wärmepumpen hingegen können dieselben 10 kWh Wärmeenergie aus nur noch 2,5 kWh elektrischer Energie bereitstellen1. Sie sind also um einen Faktor 4 besser! Dafür pumpen sie wortwörtlich Wärme aus der Außenluft oder dem Erdreich in Ihr Haus. Betreibt man die Wärmepumpe dann noch mit Ökostrom, hat man die ideale Heizung der Zukunft.

Der einzige Haken dabei ist, dass Wärmepumpen bei niedrigen Temperaturunterschieden am effizientesten arbeiten. Deshalb sollte man das Heizwasser mit einer Wärmepumpe nur auf 35°C oder weniger aufheizen.

Hier kommt die Fußbodenheizung ins Spiel.

Fußbodenheizungen kinderleicht im Neubau verlegen

Gewöhnliche Heizkörper aus Metall, wie man sie von früher kennt, muss man normalerweise mit Heizwasser betreiben, das 50°C bis 60°C warm ist. Da eine Fußbodenheizung aber im Gegensatz zu Heizkörpern eine viel größere Fläche bedeckt, kann man sie normalerweise auch mit niedrigeren Temperaturen betreiben. Deshalb ist sie der ideale Partner für eine Wärmepumpe.

Aber es wird sogar noch besser. Im Neubau ist es nämlich im Vergleich zum Altbau kinderleicht, eine Fußbodenheizung zu verlegen. Man muss nämlich, überspitzt formuliert, nur ein paar Schläuche im Schlangenmuster ausrollen, bevor man den Estrich gießt. Und schon ist die Fußbodenheizung fertig. Im Nachhinein ist es viel schwieriger und teurer die Schläuche in den Fußboden zu bekommen (Presslufthammermethode).

Wer unbedingt eine Gasheizung verwenden will, kann diese ja auch an die Fußbodenheizung anschließen und erst später eine Wärmepumpe installieren. Falls jemand unbedingt Heizkörper in der Wohnung haben möchte, kann man diese auch sinnvoll zusammen mit der Fußbodenheizung und der Wärmepumpe betreiben. Dadurch sinkt nämlich die notwendige Temperatur für das Heizwasser sogar noch weiter.

Die Nachteile der klassischen Gasheizung mit Heizkörpern

Zum Schluss möchte ich noch darauf eingehen, weshalb der Verzicht auf eine Fußbodenheizung im Neubau aus meiner Sicht wahrscheinlich ein Fehler ist:

  • Pro Kubikmeter verbranntem Erdgas werden 2kg CO2 in die Luft geblasen2 und verstärken den Klimawandel. An dieser physikalischen Tatsache kommt man nicht vorbei.
  • Es ist mit klassischen Heizkörpern sehr schwierig und teuer, später auf eine klimafreundliche Wärmepumpe umzusteigen. Sollte die aktuelle Klimapolitik jedoch konsequent fortgesetzt werden, ist der Umstieg bis 2050 nahezu unausweichlich.
  • Optimisten werden jetzt vielleicht behaupten, dass sie bald klimaneutralen Wasserstoff in Ihren Gasheizungen verfeuern können. Ich halte das für sehr unwahrscheinlich. Grüner Wasserstoff wird nämlich priorisiert in Bereichen eingesetzt werden, die ohne ihn keine Chance auf CO2-Neutralität hätten3. Ein Beispiel dafür wäre die Stahlproduktion. Für Heizungen steht mit Wärmepumpen allerdings eine deutlich effizientere Technologie schon heute zur Verfügung.
  • Die Preise für Erdgas sind bereits heute unberechenbar. Die niedrigen Investitionskosten einer Erdgasheizung könnten also über die wahren Betriebskosten hinwegtäuschen. Elektrischen Strom kann man im Gegensatz dazu über eine Photovoltaik-Anlage für wenige Cent selbst erzeugen. Ein vernünftiger Preis für Netzstrom steht politisch außerdem viel stärker im Fokus als der für Erdgas.

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