Welche Leistung hat mein Hausanschluss?

Hausanschluss per Freileitung
Quelle: pixabay.com; Autor: ReneKnoll; Lizenz: CC0 1.0 (Kurzfassung)

Schon lange wünsche ich mir, eines Tages mein eigenes Elektroauto mit angemessen großer Reichweite zu fahren. Mittlerweile erfüllen sich immer mehr Menschen diesen Wunsch und wollen zu Hause eine Ladestation für das eigene E-Auto installieren. Damit der Wagen schnell wieder voll aufgeladen ist, sollte die verfügbare Ladeleistung und damit die Leistung des eigenen Hausanschlusses möglichst hoch sein. In diesem Beitrag möchte ich ein Gefühl dafür vermitteln, wodurch diese Leistung limitiert wird und durch welche Maßnahmen sie erhöht werden kann. Bei meinem Versuch, eine eigene kleine Ladestation zu errichten, habe ich dazu ein paar Erfahrungen gesammelt.

Absicherung im Hausanschlusskasten

Hausanschlusskasten mit drei Panzersicherungen.
Autor: Jarlhelm
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Letzten Endes sind es die Hauptsicherungen im Hausanschlusskasten (HAK), welche die verfügbare Leistung am Hausanschluss bestimmen. Meistens handelt es sich dabei um Niederspannungs-Hochleistungs-Sicherungen (NH-Sicherungen), die auch gerne Panzersicherungen genannt werden. Sie lösen aus, sobald ihr Nennstrom überschritten wird, und limitieren damit den Stromfluss über die Zuleitung. Der Hausanschlusskasten ist normalerweise verplombt und darf nur von Elektrofachkräften geöffnet werden. Jede der drei spannungsführenden Phasen ist mit einer eigenen NH-Sicherung versehen. Kennt man die Nennströme der Hauptsicherungen im eigenen Haus, so kann man leicht die maximale Leistung des eigenen Hausanschlusses ausrechnen. Bei manchen Hausanschlusskästen sind die Hauptsicherungen sogar von außen einsehbar. Sind die Sicherungen nicht einsehbar, sollte man beim örtlichen Verteilnetzbetreiber (VNB) nachfragen (Details).

Von der Stromstärke zur Leistung

Die Netzspannung an Hausanschlüssen ist in Deutschland nach der Norm DIN EN 60038 geregelt. Die Nennspannung beträgt 230V ± 23V. Das heißt, die reale Spannung darf irgendwo zwischen 207V und 253V liegen. Zur Berechnung der maximal aus dem Hausanschluss entnehmbaren Leistung müssen wir 230V mit dessen maximaler Stromstärke multiplizieren.

Drei 36A NH-Sicherungen im Hausanschlusskasten
Autor: Jarlhelm
Lizenz: CC BY-SA 3.0 (Kurzfassung)

Beispiel: Im Hausanschlusskasten ist jede der drei Phasen mit jeweils 36A abgesichert. Dann beträgt die maximal entnehmbare Leistung 3 ⋅ 36A ⋅ 230V = 24,8kW. Man könnte daran \“gerade so\“ eine 22kW Ladestation für Elektroautos betreiben. Allerdings würde man an einem mit 36A abgesicherten Hausanschluss keine solche Ladestation installieren, da bei gleichzeitigem Betrieb von Ladestation und Backofen irgendwann die Panzersicherungen auslösen würden. Und das führt zu geringfügigen Unannehmlichkeiten in Form eines Elektrikerbesuchs und eines Stromausfalls …

Begrenzung durch den Stromzähler

Bevor wir den Strom zum Laden eines E-Autos nutzen dürfen, muss er zunächst durch unseren Stromzähler, der meistens in einem Zählerkasten untergebracht ist. Dieser kann ebenfalls die nutzbare Leistung limitieren. Prinzipiell würde man dieses Problem mit einem zweiten Zähler für die Ladestation aus dem Weg räumen, was allerdings deutliche Mehrkosten verursachen würde. Oft ist dies aber nicht notwendig.

Drehstromzähler mit Begrenzung 10(60) A
Autor: Harry20
Lizenz: CC-BY-SA-3.0 (Kurzfassung)

Im Zählerkasten kann der maximale Strom an zwei Stellen begrenzt sein: Es können erstens Vorsicherungen für den Zähler existieren und zweitens verkraftet der Zähler selbst nur einen begrenzten Stromfluss. Viele Zähler tragen beispielsweise die Aufschriften 3×230/400 V und 10(60) A. Sie sind also für jede der drei Strom führenden Phasen auf einen Nennstrom von 10A und einen Maximalstrom von 60A ausgelegt. Über einen solchen Zähler könnte ich also insgesamt eine Leistung von 3 ⋅ 60A ⋅ 230V = 41,4kW beziehen, was für eine 22kW Ladestation und den Betrieb meiner Wohnung ausreicht.

Anruf beim Verteilnetzbetreiber (VNB)

Möchte man es genau wissen und beim Bau der Ladestation alle geltenden Regelungen beachten, lohnt sich in jedem Fall ein Anruf beim örtlichen Verteilnetzbetreiber. Für meine Wohnung in Dortmund ist das zum Beispiel die Dortmunder Netz GmbH. Bei meinem ersten Telefonat nannte ich meine Zählernummer und hatte sofort einen kompetenten Mitarbeiter am Apparat, mit dem ich meine weitere Vorgehensweise abstimmen konnte. Da ich in einem relativ alten Haus mit 5 Wohnungen lebe, konnte er aus der Ferne zwar keine eindeutige Aussage treffen, mir aber trotzdem weiterhelfen.

Denn es gibt bei diesem Versorgungsunternehmen die Möglichkeit der kostenfreien Versorgungsanfrage. Dabei sende ich dem Unternehmen ein unterschriebenes Anfrageformular zu, auf dem ich bereits meinen Leistungsbedarf (z. B. 22kW Ladestation + Wohnung) und Details zum Gebäude eingetragen habe. Anschließend wird ein Ortstermin vereinbart. Sollte die vorhandene Anschlussleistung für meine Pläne nicht ausreichen, erstellt mir der Versorger ein Angebot zur Anschlussverstärkung, um den Leistungsbedarf zu decken. Natürlich kann man dabei auch die Kosten für verschiedene Ladeleistungen diskutieren.

Im schlimmsten Fall, wenn man z. B. eine 44kW Ladestation haben möchte (>64A Panzersicherungen), muss die Stromleitung zum Haus erneuert werden, was relativ teuer werden kann. Im besten Fall muss nichts geändert werden oder es müssen nur die Hauptsicherungen im Hausanschlusskasten getauscht werden.

Meldepflichtige Verbraucher

Gemäß der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) sind dem Netzbetreiber seit März 2019 jegliche Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge mitzuteilen (außer natürlich das Laden an der Haushaltssteckdose):

… Auch Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge sind dem Netzbetreiber vor deren Inbetriebnahme mitzuteilen. Deren Inbetriebnahme bedarf darüber hinaus der vorherigen Zustimmung des Netzbetreibers, sofern ihre Summen-Bemessungsleistung 12 Kilovoltampere je elektrischer Anlage überschreitet; …

NAV § 19 Absatz 2

Ab 12kW Ladeleistung muss er der Installation sogar zustimmen. Wahrscheinlich ist dann ebenfalls eine Versorgungsanfrage notwendig. Im Zweifel muss jeder selbst die TAB seines eigenen Verteilnetzbetreibers nach den gültigen Vorschriften durchsuchen, oder diesen einfach kontaktieren.

Fazit

Nach meinem Verständnis sollten also 11kW Ladestationen für Elektroautos noch ohne großen Aufwand installiert werden können. Ab 12kW wird es allerdings schwieriger und bedarf der Zustimmung des eigenen Netzbetreibers.

Wie immer freue ich mich über Feedback und Anregungen in den Kommentaren!

Zum Weiterlesen:

16 Kommentare zu „Welche Leistung hat mein Hausanschluss?“

  1. Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus mit insgesamt 6 Wohnungen.
    Alle Wohnungen haben 3*35A HauptSicherungen.
    Wir denken in jeder Garage einen 11kW Wallbox zu bauen.
    Die Frage: mit wieviel Ampère ist das Gaus (Baujahr 2000) normalerweise abgesichert?

    1. Das ist eine wirklich gute Frage. Leider kann ich das nicht pauschal beantworten, da bei der Dimensionerung eines Hausanschlusses sehr viele Faktoren eingeflossen sein können. Das beste wird sein, Sie wenden sich direkt an einen Elektriker und vereinbaren zunächst ein meist kostenfreies Beratungsgespräch.

    2. Einfach in den HAK (Hausanschlusskasten) schauen, sofern man die Sicherungen von aussen sehen kann.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Hausanschlusskasten

      Wenn sie Wohnungen al 35A Zählervorsicherung haben, denke ich das man von 150A ca. im HAK ausgehen kann.
      Oder am besten den örtlichen Verteilnetzbetreiber (VNB) anrufen, wenn man den HAK nicht einsehen kann.

  2. Hallo! In einem Firmengebäude mit einem Hausanschluss von 4×35 Quadrat und 3x 80A Sicherungen wollen wir E-Ladestationen errichten lassen. Auf dem Stromzähler steht 3×230/400 5A. Ist der Zähler nicht zu klein? Und wie viele Ladestationen könnte man hier bauen, wenn man von 22KW Ladesäulen ausgehen würde? Oder sind 11 KW ausreichend? Es soll eine Flotte von VW E-Up und vielleicht eine oder zwei größeren Fahrzeugen angeschafft werden.
    Danke für die Antwort schon hier.

    1. „Auf dem Stromzähler steht 3×230/400 5A. Ist der Zähler nicht zu klein?“
      Nein, sie haben einfach einen Ablesefehler begangen, den 5A kann nie und nimmer mit 80A abgesichert werden. Da würde der Zähler schon längst in Flammen sich aufgelöst haben!
      Also einfach einen Fachmann fragen oder ein Bild des Zählers einstellen.

  3. Das ist ein schon sehr großzügig dimensionierten Wohnungsanschluss. 35A x 220V = 7,7 kW x 3 = 23.1 kW (Standard sind so 15 – 16 kW). Das reicht locker für eine Wallbox 11 kW (ist so der Standard und nicht Anmeldepflichten). Also problemlos montierbar.

    1. Jede Wallbox ist nach den TAB der Netzbetreiber anmeldepflichtig. Liegt die Wallboxleistung über einen Schwellenwert (z.B. Bayernwerk Netz >12 kW) dann ist sie zusätzlich auch zustimmungspflichtig!

  4. Kurze Ergänzung:
    Seit März 2019 sind Ladeeinrichtungen mit einer Ladeleistung zwischen 3,7 kW und 11 kW beim Netzbetreiber anzumelden.

  5. Als kleine Ergänzung zu Meldung/Genehmigung von Verbrauchern mit hoher Leistung:
    Soweit ich weiß, sind Ladstationen über 11 kW GENEHMIGUNGSPFLICHTIG, d.h. der Netzbetreiber muss seine Zustimmung geben oder sie mit Gründen ablehnen.
    Ladstationen mit 11 kW sind bei den meisten Netzbetreibern dennoch ANMELDEPFLICHTIG.

  6. Vielen Dank für den praxisorientierten Artikel, um mir zum Thema Wallbox einen Überblick zu verschaffen, hat mir schon weiter geholfen!

  7. Mädels!!!
    Bitte Paragraph 19 NAV beachten.
    Verbraucher ab 3,6 KW sind beim Netzbetreiber anzumelden. Ab 12 KW sind sie vom Netzbetreiber zu genehmigen.
    D.h. bei einer „Standard-Wallbox“ von 11 kW muss der Netzbetreiber informiert werden, hat aber kein Mitspracherecht. Ab 11 kW, also auch bei 2 Ladesäulen à 11 kW sieht es anders aus.
    11 kW reichen übrigens für nahezu alle Fälle aus.

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