Stromkosten sparen mit einem Energiekosten-Messgerät

Stand: 8. Februar 2020

Die wichtigsten Punkte:

  • Ein Energiekosten-Messgerät kostet wenig (10 – 20 €) und gibt Ihnen die Möglichkeit, den Energieverbrauch Ihrer Geräte genau unter die Lupe zu nehmen.
  • Die Messungen erlauben Ihnen, einen zu hohen Standby-Verbrauch zu identifizieren und die Anschaffung eines effizienteren Haushaltsgerätes wirtschaftlich zu kalkulieren.

Meine Empfehlungen:

  • Beim Kauf eines Energiekosten-Messgerätes können Sie gerne nur auf den Preis schauen, da fast alle Geräte die nötige Präzision und den richtigen Funktionsumfang mitbringen.
  • Schauen Sie sich alle ein bis zwei Jahre den Standby-Verbrauch Ihrer Geräte an und überlegen Sie, wie Sie mit einmaligen Maßnahmen deren Energiehunger stillen können.
  • Betrachten Sie auch die großen Verbraucher wie Fernseher oder Kühlschrank in Ihrem Haushalt und rechnen Sie durch, ob sich die Anschaffung eines neuen Gerätes lohnt.

Schneller Einstieg:

Ein Energiekosten-Messgerät kann Ihnen dabei helfen, den Stromverbrauch Ihres Haushalts zu senken. Dadurch entlasten Sie nicht nur Ihren Geldbeutel, sondern auch das Klima durch geringere CO2-Emissionen bei der Stromproduktion. Die beiden wichtigsten Bereiche für mögliche Einsparungen sind dabei der Standby-Verbrauch ungenutzter Geräte und alte, ineffiziente Haushaltsgeräte. In beiden Fällen können Sie mit einem Energiekosten-Messgerät die möglichen Einsparungen ermitteln, bevor Sie diejenigen Maßnahmen umsetzen, die sich wirklich lohnen.

Wie Sie den Standby-Verbrauch Ihrer Elektrogeräte reduzieren

Viele Geräte im Haushalt verbrauchen auch dann Strom, wenn sie eigentlich ausgeschaltet oder im Standby-Modus sind. Das kann zum Beispiel ein Fernseher sein, der auf ein Signal der Fernbedienung wartet, oder ein Handyladegerät, an das kein Handy angeschlossen ist. Dennoch ist aus meiner Sicht nicht jeder Standby-Verbrauch automatisch schlecht. Bei meinem Laptop freue ich mich beispielsweise sehr, wenn er wenige Sekunden nach dem Aufklappen einsatzbereit ist und meine Programme noch geöffnet sind.

Am Ende müssen Kosten und Nutzen des Standby-Betriebs in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Deshalb ist es aus gutem Grund für viele Geräte EU-weit geregelt, wie viel Energie sie im Standby- bzw. Aus-Modus maximal verbrauchen dürfen [1]. Ein Energiekosten-Messgerät kann Ihnen nun dabei helfen, die Kosten des Standby-Betriebs genau zu ermitteln, um dann geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Standby-Verbrauch richtig messen

Ein Energiekosten-Messgerät zeigt eine Leistung von 8,9 Watt an für eine Steckerleiste mit 6 verbundenen Steckern.
Abbildung 1: Standby-Verbrauch meiner Bürogeräte am Schreibtisch (2x Laptop-Netzteil, Drucker, Monitor, Desktop-PC, Aktenvernichter) (Bild: J. Thewes)

Ein Energiekosten-Messgerät steckt man üblicherweise zwischen einen Verbraucher und dessen Steckdose. Sie können aber auch den Verbrauch einer Steckdosenleiste messen, an die mehrere Geräte angeschlossen sind. In Abbildung 1 messe ich beispielsweise den Standby-Verbrauch meiner Geräte am Schreibtisch. Die Standby-Leistung liegt dabei mit 8,9 Watt recht hoch.

Bei dem Messgerät handelte es sich um ein Brennenstuhl PM 231 E Energiemessgerät [2], das ich schon seit einigen Jahren nutze. Falls Sie noch kein Energiekosten-Messgerät besitzen, können Sie ein brauchbares Gerät für etwa 10 – 20€ oder sogar günstiger erwerben (meine Empfehlungen finden Sie weiter unten). Für die Messung nahm ich mir eine zweite Steckdosenleiste zur Hilfe: In die erste kam das Messgerät, in welches dann die zweite Leiste mit allen Verbrauchern gesteckt wurde.

Nachdem alles zusammengesteckt war, musste ich einige Zeit warten, damit auch wirklich alle Verbraucher im Ruhezustand angekommen waren. Das Messgerät stellte ich nun so ein, dass ich den aktuellen Verbrauch in „Watt“ ablesen konnte. Sollten Sie damit Probleme haben, kann Ihnen wahrscheinlich das Handbuch Ihres Messgeräts weiterhelfen.

Wie viel kostet Sie der Standby-Verbrauch?

Die Kosten, welche Ihnen durch den gemessenen Standby-Verbrauch entstehen, können Sie ganz leicht abschätzen. Dazu nehmen Sie die gemessene (Dauer-)Leistung in Watt und multiplizieren Sie mit der Anzahl der Stunden eines Tages (24) und mit der Anzahl der Tage eines Jahres (365). Wenn Sie jetzt das Ergebnis durch 1000 teilen, erhalten Sie den jährlichen Standby-Stromverbrauch in kWh. Für meine Geräte am Schreibtisch ergibt sich dann ein Jahresverbrauch von:

$$ 8,9\,W \cdot 24\,h \cdot 365 / 1000 = 77,96\,kWh $$

Nun muss ich noch meinen persönlichen Strompreis (ca. 30 ct/kWh) mit dem Ergebnis multiplizieren, um die jährlichen Kosten zu erhalten:

$$ 77,96\,kWh \cdot 0,3 \frac{€}{kWh} = 23,4\,€ $$

Auf dieselbe Art und Weise können Sie die Standby-Kosten für beliebige Verbraucher in Ihrem Haushalt ermitteln.

Vernünftige Maßnahmen gegen hohe Standby-Verbräuche

Es gibt viele Möglichkeiten, mit denen Sie Ihren Standby-Verbrauch reduzieren können. Die vielleicht einfachste Möglichkeit ist, manuell schaltbare Steckdosenleisten zu nutzen und nach dem Gebrauch eines Gerätes die Stromzufuhr zu kappen. Solche Steckerleisten bekommen Sie sehr günstig für wenige Euro. Nach meinem persönlichen Geschmack erfordert diese Lösung allerdings einen zu hohen manuellen Aufwand, der in keinem guten Verhältnis zur möglichen Ersparnis steht und regelmäßig vergessen wird.

Ein Energiekosten-Messgerät zeigt einen Verbrauch von 1,2 Watt an, nachdem aus einer Steckdosenleiste ein Stecker entfernt wurde.
Abbildung 2: Nachdem der selten genutzte Desktop-PC vom Netz getrennt war, sank der Verbrauch auf 1,2 Watt. (Bild: J. Thewes)

Deshalb würde ich eher auf eine Steckerleiste mit automatischer Abschaltung vertrauen, obwohl Sie auch einen gewissen Eigenverbrauch aufweist. Steckdosenleisten mit Master-Slave Funktion registrieren beispielsweise die Stromzufuhr Ihres Fernsehers und sobald diese unter einen gewissen Wert fällt (im Standby), werden die anderen angeschlossenen Geräte vom Netz getrennt (z.B. Receiver, HiFi-Anlage).

Sie können aber auch einen echten Standby-Abschalter kaufen. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das Sie zwischen eine Steckdosenleiste und eine Wandsteckdose schalten können. Sobald der Verbrauch der Geräte unter einen Schwellwert fällt, wird die Stromzufuhr insgesamt gekappt. Solche Geräte haben oft einen Infrarotsensor, den Sie so programmieren können, dass Sie die Stromversorgung mit Ihrer TV-Fernbedienung wiederherstellen können.

Für die Steckerleiste an meinem Schreibtisch habe ich eine noch einfachere Lösung gefunden: Durch Ausprobieren konnte ich feststellen, dass ca. 7,7 Watt alleine durch meinen Desktop-PC verbraucht werden, den ich wirklich sehr selten nutze. Deshalb bleibt dieser jetzt einfach dauerhaft vom Stromnetz getrennt, wie Sie in Abbildung 2 sehen können. Damit spare ich mit nur einem Handgriff etwa 20€ im Jahr und das Energiekostenmessgerät hat sich bereits bezahlt gemacht.

Wann sich der Austausch eines alten Haushaltsgerätes lohnt

Durch den technologischen Fortschritt sind auch viele Haushaltsgeräte deutlich effizienter geworden. In manchen Fällen ist der Effizienzgewinn derart hoch, dass sich ein Austausch des alten Gerätes sogar vor dessen Ableben lohnt. Mit der Hilfe eines Energiekosten-Messgeräts können Sie im Vorhinein abschätzen, ob sich eine Neuanschaffung bezahlt macht. Dafür messen Sie zuerst den durchschnittlichen Verbrauch des Gerätes pro Jahr und berechnen dann die Amortisationszeit der Neuanschaffung. Die Amortisationszeit ist die Zeitspanne, nach der die Ersparnisse durch die höhere Effizienz den Anschaffungspreis übersteigen.

Durchschnittlichen Verbrauch ermitteln

Mein Energiekosten-Messgerät zeigt einen Verbrauch von 273 Watt für den Fernseher an.
Abbildung 3: Mein eingeschalteter Fernseher verbraucht etwa 273 Watt. (Bild: J. Thewes)

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie Sie den durchschnittlichen Energieverbrauch eines Gerätes ermitteln können. Welche der beiden Methoden Sie verwenden sollten, hängt stark von den Verbrauchseigenschaften des Gerätes ab. Ein Kühlschrank ist beispielsweise nicht dauerhaft eingeschaltet, sondern wechselt zwischen An und Aus hin und her, um die Innentemperatur innerhalb eines gewissen Bereichs zu halten. Deshalb muss eine Langzeitmessung durchgeführt werden.

Die meisten Fernseher hingegen haben einen ungefähr konstanten Energieverbrauch, während sie eingeschaltet sind. Deshalb können Sie hier eine Kurzzeitmessung vornehmen, bei der Sie einfach die auf Ihrem Energiekosten-Messgerät angezeigte momentane Leistung in „Watt“ notieren. Bei meinem Fernseher wären das etwa 273 Watt (Abbildung 3). Danach schätzen Sie ab, wie viele Stunden im Jahr der Fernseher in Betrieb ist. In meiner Wohnung ist er durchschnittlich etwa 3 Stunden am Tag im Einsatz und damit 3 * 365 = 1095 Stunden im Jahr. Der Jahresverbrauch beträgt dann

$$1095\,h \cdot 273\,W / 1000 = 290\,kWh $$.

Bei einer Langzeitmessung am Beispiel eines Kühlschranks (mit Gefrierfach) notieren Sie sich zunächst das Datum und die Uhrzeit, an dem Sie das Messgerät angeschlossen haben. Nach mehreren Tagen notieren Sie sich erneut Datum und Uhrzeit und zusätzlich den angezeigten Energieverbrauch in kWh. Haben Sie beispielsweise von Montag um 11 Uhr bis Dienstag um 23 Uhr einen Verbrauch von 4 kWh gemessen, können Sie per Dreisatz den Verbrauch auf ein Jahr hochrechnen. In diesem Beispiel wären das im Jahr:

$$ \frac{4\,kWh}{36\,h} \cdot 24\,h \cdot 365 = 974\,kWh $$

Wirtschaftlichkeit einer Neuanschaffung berechnen: Fernseher

Für die beiden Beispiele Fernseher und Kühlschrank können wir nun die Wirtschaftlichkeit einer Neuanschaffung analysieren. Der Fernseher verursacht pro Jahr Kosten von etwa 290 kWh * 30 ct/kWh = 87 €. Ein vergleichbares Neugerät mit ungefähr derselben Bildschirmdiagonale und Auflösung wäre das Telefunken XF49G511-W [3] mit Energieeffizienzklasse A++. Laut Herstellerangaben hat es im eingeschalteten Zustand einen Verbrauch von nur 48 Watt.

Damit ergibt sich für das Neugerät bei 3h täglichem Einsatz ein Jahresverbrauch von 3h * 365 * 48W / 1000 = 53 kWh und jährliche Kosten von 53 kWh * 30 ct/kWh = 16 €. Insgesamt würde ich also durch eine Neuanschaffung etwa 71€ pro Jahr an Stromkosten einsparen. Bei einem Neupreis von 333€ wäre die Amortisationszeit also 333 / 71 = 4,7 Jahre.

Da die durchschnittliche Erstnutzungsdauer eines Fernsehers nur bei knapp 6 Jahren liegt [4] und die Gewährleistung nur bei 2 Jahren, würde ich die Neuanschaffung aus finanzieller Sicht nicht riskieren. Aus Sicht des Klimaschutzes muss man zusätzlich noch berücksichtigen, dass das Neugerät mit einem großen CO2-Rucksack aus der Herstellung startet, was für mich bei dieser langen Amortisationszeit endgültig den Ausschlag dafür gibt, den alten Fernseher zu behalten.

Wirtschaftlichkeit einer Neuanschaffung berechnen: Kühlschrank

Für den Kühlschrank ergeben sich jährliche Kosten von etwa 974 kWh * 30 ct/kWh = 293 €. Eine moderne Kühl-Gefrier-Kombination, wie ich Sie für meinen 2-Personen Haushalt bereits angeschafft habe, wäre beispielsweise die Bomann KG 322 [5] mit der Energieeffizienzklasse A+++. Ihr jährlicher Energieverbrauch ist mit 110 kWh angegeben, was jährlichen Kosten von etwa 110 kWh * 30 ct/kWh = 33 € entspricht. Die potenzielle Einsparung durch die Neuanschaffung läge also bei 260€ und der Neupreis von ca. 296€ [6] wäre in etwa 296 / 260 = 1,2 Jahren amortisiert.

Hier würde ich sofort zuschlagen und das Altgerät austauschen. Nach etwas mehr als einem Jahr, noch innerhalb der Gewährleistung, hat sich der neue Kühlschrank selbst finanziert und es folgen viele Jahre, in denen er durch die Energieeinsparungen Gewinne erwirtschaftet.

Wie Sie sehen, hängt es immer vom Einzelfall ab, ob sich der Austausch eines alten Haushaltsgerätes lohnt oder nicht. Ein Energiekosten-Messgerät gibt Ihnen allerdings die Möglichkeit, die Entscheidung auf der Basis von Fakten zu treffen und zusätzlich Ihre persönliche Situation zu berücksichtigen. Wollten Sie zum Beispiel ohnehin einen Fernseher mit neuen Funktionen anschaffen, geben diese zusätzlichen Funktionen vielleicht den Ausschlag. Dennoch haben Sie nachgerechnet, dass sich die Neuanschaffung auch selbst finanziert und Sie deshalb nicht mehr kostet als den alten Fernseher weiter zu betreiben.

Empfohlene Energiekosten-Messgeräte

Die wichtigsten Funktionen eines Energiekosten-Messgerätes sind die Anzeige des aktuellen Energieverbrauchs in „Watt“ und die Möglichkeit, die in einem bestimmten Zeitraum verbrauchte Energie in „kWh“ möglichst präzise zu messen. Erfreulicherweise scheinen fast alle Energiemessgeräte diese Anforderungen zu erfüllen und auch hinreichend präzise zu messen, wie ein Test der heise Redaktion im Dezember 2019 gezeigt hat [7]. Aus diesem Grund können Sie bei der Anschaffung kaum Fehler machen.

Mein Rat lautet deshalb, dass Sie am besten möglichst günstig bei einem Anbieter Ihres Vertrauens zuschlagen: Entweder bei einem guten Angebot im Discounter, bei einem lokalen Fachhändler oder nach einem Preisvergleich im Online-Shop. Im Test der heise Redaktion [7] hat sogar erstaunlicherweise eines der günstigeren Geräte, namentlich das TS Electronic 45-25111, die präzisesten Messergebnisse geliefert.

Außerdem möchte ich Sie gerne auf eine kostenlose Möglichkeit aufmerksam machen, um an ein Energiekosten-Messgerät zu kommen: In vielen Verbraucherzentralen, wie der Verbraucherzentrale NRW, können Sie sich kostenlos ein Energiekosten-Messgerät ausleihen.

Quellen:

[1] Umweltbundesamt – Ökodesign-Richtlinie (abgerufen am 04.02.2020)
[2] brennenstuhl – Primera-Line Energiemessgerät (abgerufen am 08.02.2020)
[3] Lidl – TELEFUNKEN XF49G511-W 124 cm (abgerufen am 08.02.2020)
[4] Umweltbundesamt – Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung (abgerufen am 08.02.2020)
[5] Bomann – Kühl-/Gefrierkombination KG 322 (abgerufen am 08.02.2020)
[6] MediaMarkt – Bomann KG 322 (abgerufen am 08.02.2020)
[7] heise online – Acht Energiekosten-Messgeräte für den Hausgebrauch (abgerufen am 08.02.2020)

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