Wie Du mit einem elektronischen Durchlauferhitzer Deinen Stromverbrauch senken kannst

Stand: 16. Oktober 2020

Elektronischer Durchlauferhitzer und Duschkopf
(Bild: J. Thewes)

Empfehlungen

  • Hydraulische durch elektronische Durchlauferhitzer ersetzen
  • Warmwassertemperatur auf 39°C einstellen
InvestitionGewinnCO2-Einsparung
150 bis 950 €130 bis 120 € pro Jahr240 bis 160 kg pro Jahr3

Etwa ein Drittel des Stromverbrauchs eines durchschnittlichen Haushalts in einem Mehrfamilienhaus entfällt auf die Warmwasserbereitung, falls Strom zur Erwärmung genutzt wird4. Da dieser Anteil sehr hoch ausfällt, bietet sich hier oft auch ein hohes Sparpotenzial. Moderne Durchlauferhitzer sind vollelektronisch geregelt und die Wassertemperatur lässt sich bei ihnen gradgenau einstellen. Gegenüber älteren, hydraulisch geregelten Geräten, sollen diese Geräte bei gleichem Komfort rund 20% an Energie einsparen5. Außerdem wird das Duschwasser nicht mehr kalt, wenn jemand woanders den Hahn aufdreht.

Meine erste Begegnung mit elektronischen Durchlauferhitzern hatte ich, nachdem mein alter hydraulischer Durchlauferhitzer beim Duschen plötzlich explodiert ist. Damals sind zum Glück nur ein paar Sicherungen herausgesprungen und das Gehäuse wurde leicht abgesprengt. Danach hat mein Vermieter einen modernen elektronischen Durchlauferhitzer einbauen lassen. Laut der gängigen Empfehlung, die mir der Installateur mit auf den Weg gab, soll man zum Stromsparen die Wassertemperatur auf etwa 39°C einstellen6.

Für mich klang dieser Tipp zunächst unplausibel, da es dem Wasser eigentlich egal sein sollte, ob man es direkt auf 39°C erwärmt oder erst auf 60°C und dann kaltes Wasser beimischt. Schließlich geht durch das Mischen keine Energie verloren. Höchstens auf dem Weg vom Durchlauferhitzer zum Duschkopf könnten durch die Erwärmung der Wand Verluste entstehen. Tatsächlich konnte ich aber in einem kleinen Experiment sehen, dass die 20% Energieersparnis realistisch sind. Der Wärmeverlust in der Wand hat allerdings kaum etwas damit zu tun.

Ausrüstung

Zur Messung des Energieverbrauchs meines elektronischen Durchlauferhitzers habe ich einen Eimer, eine Taschenlampe, ein Infrarot-Thermometer und einen Notizblock verwendet.
(Bild: J. Thewes)

Es braucht nur wenig Equipment, um den Stromverbrauch eines elektrischen Durchlauferhitzers selbst zu vermessen. Die wichtigsten Gegenstände sind ein Eimer, eine Taschenlampe, ein Thermometer und ein Notizblock. Alternativ zum Notizblock kann man natürlich auch ein Smartphone nutzen. Es geht nun darum, die Temperatur, den Stromverbrauch und die Wassermenge zu bestimmen.

Temperatur messen: Insbesondere um beim Mischen von kaltem und warmem Wasser die richtige Temperatur zu treffen, ist ein schnelles Thermometer empfehlenswert. Ein Infrarot-Thermometer hat mir dabei gute Dienste geleistet.

Stromverbrauch messen: Es ist nicht ganz leicht, den Stromverbrauch eines großen Durchlauferhitzers zu ermitteln. Er ist nämlich ähnlich zu einem Küchenherd direkt an mehrere stromführende Phasen angeklemmt und es gibt keinen Stecker, den man in ein gängiges Energiekosten-Messgerät stecken könnte. Allerdings hat jeder Haushalt mit einem Stromzähler bereits ein geeignetes Messgerät vor Ort. Deshalb habe ich für die Experimente alle Sicherungen bis auf die des Durchlauferhitzers abgeschaltet und meinen Stromzähler vor und nach der Wasserentnahme abgelesen. Bei Dunkelheit empfiehlt sich dabei eine Taschenlampe.

Feste Wassermenge: Als Maßstab für die Wassermenge habe ich einen handelsüblichen Putzeimer verwendet. Dieser fasst 10,3 Liter, wenn er bis zum Rand mit Wasser gefüllt ist, was ich mit einem Messbecher überprüft habe.

Wärmeverluste in der Wand

Im ersten Experiment habe ich versucht, den Energieverlust durch die Abgabe von Wärme an die Wand zu ermitteln. Dazu stellte ich zunächst den Durchlauferhitzer auf 39°C ein und füllte einen Putzeimer ausschließlich mit heißem Wasser. Die Wassertemperatur im Eimer lag aber nur bei 36,5°C. Das deutet auf Wärmeverluste auf dem Weg vom Durchlauferhitzer zum Duschkopf hin. Der Stromverbrauch lag bei 0,27 kWh.

Am Abend darauf, nachdem die Wand wieder abgekühlt war, stellte ich den Durchlauferhitzer auf 60°C ein und füllte den Putzeimer erneut mit Wasser. Dieses Mal habe ich aber kaltes Wasser beigemischt, um die 36,5°C des Vorabends zu erreichen. Mit dieser Methode simulierte ich einen hydraulischen Durchlauferhitzer, der nur heißes Wasser mit 60°C produzieren kann. Dieses Mal lag der Stromverbrauch geringfügig höher bei 0,29 kWh.

Nicht besonders beeindruckend.

Bei 60°C wird zwar mehr Strom als bei 39°C verbraucht, die Ersparnis liegt mit 7,4% aber deutlich unter den erwarteten 20%. Erschwerend kommt hinzu, dass die Messunsicherheit des Experiments in derselben Größenordnung liegt. Meinen Stromzähler kann ich nämlich nur auf 0,01 kWh genau ablesen und muss dies zweimal tun.

Beim Mischen von warmem und kaltem Wasser kam mir aber eine Idee, woher die höhere Ersparnis kommen könnte.

Einfluss des Wasserdrucks

Denn gefühlt war der Eimer bei 60°C schneller voll als bei 39°C. Das beigemischte kalte Wasser kommt nämlich mit einem höheren Druck aus der Leitung als das heiße, da der Wasserfluss nicht durch die Verrohrung des Durchlauferhitzers gebremst wird. Duscht man nun jeden Morgen für 5 Minuten, dann kommt bei 60°C insgesamt mehr warmes Wasser aus der Brause als bei 39°C. Wenn mehr Wasser erwärmt werden muss, wird auch mehr Strom verbraucht7.

Deshalb habe ich die beiden Experimente wiederholt und dabei die Zeit gestoppt, bis der Eimer randvoll mit Wasser gefüllt war. Bei 39°C dauerte dies 138 Sekunden und bei 60°C nur 108 Sekunden. Durch eine 5-minütige Dusche ergäbe sich bei 60°C damit ein Stromverbrauch von 0,81 kWh und bei 39°C von nur 0,59 kWh.

Das sind 27% weniger!

Rechnet man also die Energieverluste durch die Wand und den Effekt des geringeren Wasserdrucks zusammen, konnte ich wirklich eine Ersparnis von über 20% erreichen. Selbst die ohne Zweifel vorhandenen Messunsicherheiten können an diesem Ergebnis nicht mehr rütteln.

Fazit

Ein elektronischer Durchlauferhitzer kann tatsächlich für eine Energieeinsparung von über 20% sorgen, wenn man die Wassertemperatur auf 39°C regelt8. In meinem Fall liegt das aber größtenteils am niedrigeren Wasserdurchfluss des Durchlauferhitzers im Vergleich zum Kaltwasseranschluss und nicht am Wärmeverlust auf dem Weg zur Duscharmatur.

Deshalb kann ich jedem nur ans Herz legen, die Wassertemperatur am Durchlauferhitzer auf eine angenehme Duschtemperatur einzustellen statt kaltes Wasser beizumischen. Der Austausch eines alten hydraulischen Gerätes lohnt sich allerdings nicht in jedem Fall. Zuvor solltest du berechnen, wie schnell sich die Investitionskosten wieder auszahlen.

Fußnoten

  1. Preisspanne neuer elektronischer Durchlauferhitzer aus einem Testbericht der Stiftung Wartentest.
  2. Abgeleitet aus dem Stromverbrauch einer Wohnung der mittleren Kategorie D des Stromspiegels für Deutschland 2019 mit und ohne elektrisch erhitztem Warmwasser. Es wurden 20% Ersparnis durch die Empfehlung und ein Strompreis von 30 ct/kWh angenommen.
  3. Unter Annahme eines CO2-Emissionsfaktors von 401 g/kWh, den das Umweltbundesamt für 2019 hochgerechnet hat.
  4. Gemäß des Stromspiegels für Deutschland 2019, herausgegeben durch co2online unter Beteiligung von Verbraucherorganisationen, Wirtschaftsverbänden, Energieagenturen und Forschungseinrichtungen.
  5. Die Gesellschaft für Energiedienstleistung fördert unter bestimmten Bedingungen sogar den Austausch eines alten Durchlauferhitzers und wirbt mit 20% Energieersparnis.
  6. Unter anderem auch in einem Praxistipp von Focus Online erwähnt.
  7. Durch diesen Effekt helfen auch Sparbrausen und Durchflussbegrenzer beim Stromsparen.
  8. Die 39°C sind in Wahrheit nur exemplarisch zu verstehen. Im Winter stelle ich die Temperatur zum Beispiel wenige Grad höher und im Sommer wenige Grad niedriger ein, bis ich bei voll aufgedrehtem warmem Wasser angenehm duschen kann.

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