Günstig Bahn fahren: 10 Travel Hacks für den Fernverkehr

Stand: 27. September 2020

Ein ICE und ein Nahverkehrszug im Bahnhof
(Bild: holzijue / pixabay.com)

Kennst Du den Song „Deutsche Bahn“ der Wise Guys? Dort heißt es so schön „Meine Damen, meine Herren, danke, dass Sie mit uns reisen, zu abgefahr’nen Preisen auf abgefahr’nen Gleisen“, was durchaus den Ruf der DB in Deutschland wiedergibt. Aber obwohl jeder regelmäßige Bahnfahrer (mich eingeschlossen) mit der ein oder anderen verrückten Bahn-Anekdote aufwarten kann, finde ich ihr Angebot viel besser als ihren Ruf.

Der Fernverkehr fährt nämlich mit 100 Prozent Ökostrom1 und schlägt preislich in vielen Fällen das Auto. Ich fahre beispielsweise mehrmals im Jahr die Strecke Mannheim – Dortmund, was mit dem Auto etwa einer Distanz von 300 km entspricht. Ein Kleinwagen wie der Toyota Yaris würde mich laut ADAC ca. 30 ct/km und damit 90 € auf dieser Strecke kosten 2. Ein Sparpreis-Ticket der Deutschen Bahn gibt es bereits ab 21,10 €, wobei ich in der Realität auch mal bis zu 35 € bezahlen muss. Alleine oder zu zweit liegt die Bahn unter diesen Bedingungen also vorn. Natürlich sollte ein Preisvergleich immer auf die eigene Situation angepasst werden.

Außerdem genieße ich die Freiheiten, die mir eine Zugfahrt bietet: Man sitzt nicht am Lenkrad, sondern kann seine Zeit selbst gestalten. Viele Züge bieten heutzutage WLAN und man kann in ICEs sogar auf eine kostenfreie Video-Bibliothek zugreifen. Damit es sich für Dich ebenfalls finanziell lohnt, auch mal den Zug zu nehmen, habe ich nachfolgend eine Reihe von Spartipps für den Fernverkehr zusammengestellt.

1. (Super) Sparpreise buchen

Sparpreise sind deutlich günstiger als Flexpreise und erfüllen denselben Zweck: Du wirst zu Deinem Zielort befördert. Die beiden größten Nachteile, die eingeschränkte Stornierbarkeit und die Zugbindung, sind deshalb gut verschmerzbar. Privat habe ich nämlich insgesamt nur einmal, zu Corona-Zeiten, Zugtickets wieder stornieren müssen und die Deutsche Bahn hatte damals auch für Sparpreise kostenlose Stornierungen angeboten.

Die Zugbindung ist nur dann problematisch, wenn Du es nicht rechtzeitig zu Deinem Startbahnhof schaffst. Dann verfällt dein Ticket leider wertlos. Sollte sich allerdings irgendein Zug verspäten, sodass Du 20 Minuten Verspätung am Zielbahnhof zu erwarten hättest, fällt die Zugbindung weg und Du darfst ohnehin alle angebotenen Verbindungen nutzen (sogar schnellere)3.

Um in den Genuss der günstigsten Sparpreise zu kommen, ist es auf jeden Fall ratsam, so früh wie möglich zu buchen. Insbesondere vor verlängerten Wochenenden und Feiertagen wie Ostern und Weihnachten ist das limitierte Kontingent schnell vergriffen. Im Gegenzug sind die Tickets bis zu 6 Monate vor Antritt der Reise buchbar4. Aber auch bei wenigen oder nur einer Woche Vorlaufzeit ist es mir häufig gelungen, günstige Sparpreis-Tickets zu erwerben.

2. In der 2. Klasse reisen

Tickets der 1. Klasse sind praktisch immer teurer als Tickets der 2. Klasse. Beruflich durfte ich zwar die Vorzüge der 1. Klasse bereits genießen, sie sind mir den Aufpreis privat aber nicht wert. Etwas mehr Beinfreiheit und Bedienung am Platz empfinde ich nur als geringe Komfortgewinne, zumal ich kein bisschen schneller reise als die Fahrgäste in der 2. Klasse.

3. Eine BahnCard 25 einsetzen

Selbst auf die Super Sparpreise der 2. Klasse (ab 17,50 € pro Fahrt) erhält man als Besitzer einer BahnCard 25 oder 50 einen Rabatt von 25%5. Während sich die BahnCard 50 wirklich nur für Vielfahrer lohnt, rentiert sich eine BahnCard 25 auch schnell für Gelegenheitsfahrer. Für den folgenden Tarifvergleich nehme ich an, dass ein Sparpreisticket vor dem Rabatt pro Fahrt im Durchschnitt 30 € kostet:

  • Die Jugend BahnCard 25 (bis 18 Jahre) für einmalig 8,80 € lohnt sich bereits nach einer Reise (2 Fahrten)
  • Die My BahnCard 25 (unter 27 Jahre) für 34,20 € / 12 Monate lohnt sich nach nur zwei Reisen (4,5 Fahrten)
  • Die reguläre BahnCard 25 für 54,60 € / 12 Monate lohnt sich nach vier Reisen (7,2 Fahrten)

Schau Dir am besten die Anzahl Deiner (möglichen) Bahnreisen in den letzten 12 Monaten an und entscheide dann, ob sich eine BahnCard für Dich lohnt. Die Jugend BahnCard 25 lohnt sich eigentlich immer und die My BahnCard 25 lohnt sich für jeden Studenten, der zweimal im Jahr mit dem Fernverkehr verreist. Zudem gibt es auch häufig im Nahverkehr Rabatte für BahnCard-Besitzer.

4. Mit dem Sparpreisfinder suchen

Der Sparpreisfinder der Deutschen Bahn ist ein wirklich gutes Werkzeug, um günstige Sparpreise zu finden. Zunächst gibt man Start- und Zielbahnhof, das Reisedatum, den möglichen Reisezeitraum (je flexibler desto besser), die Anzahl der Reisenden und die Ermäßigungen (bspw. BahnCard) ein. Nun kannst Du dir aus einer Liste aller Verbindungen im angegebenen Zeitraum die für Dich beste heraussuchen.

Für mich ist der Preis immer ein wichtiges Kriterium, aber auch die Reisedauer und die Abfahrtszeit fließen in meine Überlegungen mit ein. Häufig sind gerade die frühesten oder spätesten Abfahrtszeiten eines Tages am günstigsten. Falls ich diese Zeiten durch früheres Aufstehen oder späteres Zubettgehen schaffen kann, nutze ich sie auch.

5. Auf eine Sitzplatzreservierung verzichten

Eine einzelne Sitzplatzreservierung kostet aktuell 4 € pro Fahrt6. Bei einem Sparpreisticket für 20€ entspricht das einem Preisaufschlag von sagenhaften 20%. Privat buche ich eigentlich nie eine Sitzplatzreservierung und es kommt nur sehr selten vor, dass ich im ICE oder IC stehen muss. Meistens findet sich dann doch ein Platz für eine oder zwei Personen, insbesondere wenn man zu frühen oder späten Uhrzeiten unterwegs ist (siehe Sparpreisfinder).

Oft sind auch nur die Waggons in der Mitte des Zuges überfüllt, während vorne oder hinten im Zug noch viele Plätze frei sind. Es lohnt sich deshalb, auf den Wagenstandsanzeiger zu schauen und am Anfang oder Ende des 2. Klasse Zugteils einzusteigen. Dann läuft man einfach in Richtung des anderen Endes der 2. Klasse, bis sich ein Platz findet. Diese Strategie hat mir schon oft geholfen.

6. Bonuspunkte sammeln und für Freifahrten einsetzen

BahnBonus ist das Treueprogramm der Deutschen Bahn7. Grundsätzlich sammelt man dort mit jedem Euro Umsatz für Bahntickets einen Bonuspunkt, solange man bei der Ticketbuchung entweder die BahnCard- oder BahnBonus-Nummer angibt. Auch für Umsätze bei Partnerunternehmen kann man Punkte sammeln.

Obwohl es viele verschiedene Prämien gibt, für die man seine Punkte einsetzen kann, ist es finanziell am attraktivsten, für je 1000 Bonuspunkte eine Freifahrt in der 2. Klasse zu buchen. Spar Dir die Freifahrt aber für Notfälle auf: Die größte Ersparnis ergibt sich, wenn man kurzfristig eine Verbindung buchen muss, für die keine günstigen Sparpreise mehr verfügbar sind.

Es klingt für Dich jetzt vielleicht unrealistisch, 1000 Bonuspunkte zu sammeln, also 1000€ für Bahntickets auszugeben. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass sich die Bonuspunkte schnell aufsummieren. Du kannst beispielsweise auch auf Dienstreisen Punkte sammeln. Außerdem gibt es häufig Gewinnspiele und Aktionen, bei denen man Punkte geschenkt bekommt.

7. Newsletter abonnieren

Einen Newsletter zu abonnieren klingt in der heutigen Zeit durchaus etwas abgedroschen, da Newsletter häufig zu nervigen Marketinginstrumenten verkommen sind. Der bahn.de Newsletter lieferte mir in der Vergangenheit allerdings häufig interessante Aktionen und Rabattgutscheine ins Postfach8. Manchmal gibt es beispielsweise Mitfahrergutscheine oder Vorabinformationen zu limitierten Sparpreis-Aktionen.

8. DB Navigator & BahnBonus App installieren

Es gibt eine ganze Reihe von Apps der Deutschen Bahn, die man sich auf dem Smartphone installieren kann9. Die mit Abstand nützlichste davon ist für mich der DB Navigator. Neben vielen anderen Funktionen kann man sich bereits in der App Tickets kaufen und auch als Handy-Ticket laden und vorzeigen. Der Sparpreisfinder ist ebenfalls in der App integriert.

Während der Reise zeigt der DB Navigator dann den Reiseplan inklusive Echtzeit-Informationen wie Verspätungen an. Ich nutze ihn auch regelmäßig, um kurzfristig nach aktuellen Verbindungen zu suchen oder noch auf dem Weg zur U-Bahn-Station ein Ticket zu kaufen. Da auch die meisten Nahverkehrsfahrpläne integriert sind, kann ich direkt die gesamte Strecke mit allen Verkehrsmitteln bis zu meiner Haustür suchen lassen.

Die einzige weitere DB App auf meinem Smartphone ist die BahnBonus App. Dort kann man sich seinen aktuellen Punktestand ansehen und sich über aktuelle Aktionen informieren. Außerdem sieht man auch, ob zum Ende des Quartals Punkte verfallen würden und kann sie noch in der App gegen Prämien, wie die empfohlene Freifahrt 2. Klasse, eintauschen.

9. Rabatt-Aktionen nutzen

Häufig bietet die Deutsche Bahn mit einem Kooperationspartner Rabatt-Aktionen an. Früher gab es beispielsweise in Zusammenarbeit mit Ferrero oft Bahngutscheine, wenn man sich Nutella oder Kinderriegel gekauft hat. Aktuelle Informationen zu Aktionen liefern beispielsweise die Webseiten Zugreiseblog und Bahngebote.

Diese Gutscheine habe ich in der Vergangenheit häufig genutzt, wenn ich wusste, dass im Aktionszeitraum eine Reise ansteht. Denn wenn ich einen 10€ Gutschein durch den Kauf von Kinderriegeln für 4€ erhalte und einsetze, dann bekomme ich die Schokolade praktisch umsonst und zusätzlich noch 6€ Rabatt auf die Bahnfahrt.

10. Verpflegung selbst mitbringen

Dies ist vielleicht der langweiligste Tipp auf der Liste, aber dennoch vergleichsweise profitabel. Auf langen Reisen bekommt man irgendwann unweigerlich Durst und auch Hunger. Das wissen natürlich auch die Mobilitätsunternehmen und bieten deshalb in ihren Verkehrsmitteln Getränke und Nahrungsmittel an. Die Deutsche Bahn betreibt in ihren Fernzügen zum Beispiel Bordbistros und an Bahnhöfen finden sich viele Bäcker und Fast-Food-Ketten.

Auf der einen Seite ist es verlockend, sich dort aufwandsarm verköstigen zu lassen. Auf der anderen Seite kommen pro Person schnell Summen von 5, 10 oder 15€ zusammen, was die Sparanstrengungen bei den Tickets wieder zunichtemacht. Deshalb nehme ich mir für Zugfahrten immer eine große Flasche Wasser und belegte Brötchen von zu Hause mit.

Außerdem interessant

Fußnoten

  1. Wie das möglich ist, erklärt die Deutsche Bahn in einem Hintergrundartikel.
  2. ADAC Autokosten-Check
  3. Unter anderem beschrieben in der FAQ der Deutschen Bahn.
  4. Deutsche Bahn – Mit dem Sparpreis-Finder zum günstigsten Preis
  5. Deutsche Bahn – Deutschland neu entdecken: Mit dem Super Sparpreis ab 17,50 Euro
  6. Deutsche Bahn – Sitzplatzreservierung im Fernverkehr buchen und bequem reisen
  7. Deutsche Bahn – BahnBonus: Fahren. Punkten. Freuen.
  8. Deutsche Bahn – bahn.de-Newsletter
  9. Deutsche Bahn – Unsere Apps für Ihre Reise

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