Rezension: „Erneuerbare Energien ohne heiße Luft“

Stand: 19. April 2020

Worum geht es?

Foto der Vorderseite des Buchs "Erneuerbare Energien ohne heiße Luft" von Christian Holler und Joachim Gaukel
(Foto: J. Thewes / Cover: UIT Cambridge Ltd)

Die beiden Autoren Christian Holler und Joachim Gaukel knüpfen an die außergewöhnliche Arbeit des Briten David MacKay an, der im Jahr 2009 das Buch „Sustainable Energy – without the hot air“ veröffentlichte (kostenlos auf dieser Webseite verfügbar, auch auf deutsch). Das Buch „Erneuerbare Energien ohne heiße Luft“ von Holler und Gaukel mit dem Heißluftballon auf dem Einband ist ebenfalls online frei verfügbar und erklärt auf einfache und verständliche Art, wie viel Energie in Deutschland pro Person verbraucht wird und wie wir diese Energie in Deutschland erneuerbar erzeugen könnten.

Nach einer kurzen Erläuterung zur großen Bedeutung von Energie für unseren Wohlstand und der Notwendigkeit, Abstand von fossilen Energieträgern zu gewinnen, geht es ans Eingemachte. Zunächst wird ein durchschnittlicher Energieverbrauch von 125 kWh pro Person und Tag für Menschen in Deutschland ermittelt und begründet. Hierauf folgt ein kurzer Ausflug nach „Absurdistan“, einer Sammlung durch die Medien verbreiteter Ideen, die für das Gesamtbild der Energiewende nach kurzer Überlegung kaum eine Bedeutung haben.

Im größten Teil des Buches wenden sich die Autoren der Frage zu, welches Potenzial es in Deutschland gibt, um diese 125 kWh pro Person und Tag bereitzustellen. Durch die getroffenen Abschätzungen gelangen Sie zu einem Potenzial von 111,5 kWh, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • 11 kWh durch Photovoltaik oder Solarthermie auf Dächern
  • 16 kWh durch Photovoltaik in Freiflächenanlagen
  • 32 kWh durch Windenergie an Land
  • 20 kWh durch Windenergie auf dem Meer
  • 3,5 kWh durch Wasserkraft
  • 20 kWh durch Biomasse und Müll
  • 9 kWh durch Geothermie

Viele der genannten Energiequellen liefern keine konstante Leistung, weshalb in einem separaten Kapitel die Notwendigkeit und die Möglichkeiten zur Energiespeicherung besprochen werden. Das Fazit der Autoren lautet, dass es durchaus möglich ist, unseren Energieverbrauch erneuerbar zu decken, aber ein hartes Stück Arbeit wird.

Mein Eindruck

Für mich war das Buch eine lebendige Lektüre, die mir ohne ein Übermaß an Formeln ein grundsätzliches Gefühl für das Thema Energiewende vermitteln konnte. Es war auch sehr angenehm, dass der Fokus auf den Fakten lag, statt sich in politischen Scharmützeln zu verlieren. Dadurch steht mir das Gesamtbild der Energiewende wieder viel deutlicher vor Augen: Der Löwenanteil muss durch Photovoltaik und Solarenergie gestemmt werden. Außerdem ist es notwendig, den Verkehr und die Wärmegewinnung zu elektrifizieren.

Fazit

Einen schnellen finanziellen oder ökologischen Gewinn kann man durch dieses Buch nicht realisieren. Es kann Ihnen aber sehr dabei helfen, die Informationen und Vorschläge zum Thema Energie und Klimaschutz richtig einzuordnen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Dadurch wird es Ihnen leichter fallen, politisch bei diesem Thema mitzureden und auch in Ihrem eigenen Leben die richtigen Schwerpunkte zu setzen.

Wussten Sie beispielsweise, dass eine Flugreise von Deutschland nach Thailand Ihre persönliche Energiebilanz um 17 kWh pro Tag erhöht (Kapitel 11.2)? Das sind mehr als 13% des durchschnittlichen Energieverbrauchs in Deutschland von 125 kWh pro Person und Tag! Andererseits ist das tägliche Aufladen eines iPhone 8 mit 0,01 kWh pro Tag für Ihren Energieverbrauch praktisch irrelevant (Kapitel 3.2). Mittelfristig können Sie durch eine eigene Photovoltaikanlage oder die Beteiligung an einem Windpark dann auch selbst finanziell profitieren.

Außerdem interessant

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.